Bharti Kher, Dark Matter MM, 2015, Bindis on painted board, 244 x 183 cm © Courtesy the Artist and Perrotin
Video Bharti Kher I Salon Berlin

BHARTI KHER DARK MATTER (MM)

Aktuelle Ausstellung

14. Oktober 2017 - 24. März 2018

Als erste Einzelausstellung von Bharti Kher in Deutschland präsentiert der Salon Berlin eine Auswahl von jüngeren Arbeiten, die sich mit dem kontinuierlichen Wechselspiel zwischen Schöpfung und Zerstörung, Chaos und Ordnung beschäftigen. Zudem tritt Khers eigens für den Salon Berlin konzipierte Installation Virus VIII (2017) mit einem von Gerhard Richters berühmten Grau-Bildern von 1974 in Korrespondenz. Die 1969 in London geborene Künstlerin lebt und arbeitet seit den frühen 1990er-Jahren in Delhi und gehört zu den wichtigsten internationalen Gegenwartskünstlerinnen ihrer Generation.

Vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt, in der die Balance zwischen Zivilisation und Natur immer stärker ins Wanken gerät, vermitteln Khers Werke eine nahezu körperliche Erfahrung von Erschütterung, Unsicherheit und Wandel. Zugleich thematisieren sie das kontinuierliche Streben nach Ausgleich und Vereinigung. Kher interessiert sich für jenen Moment, in dem scheinbar widersprüchliche Kräfte ein Equilibrium finden und völlig neue Erfahrungen und Bedeutungen hervorbringen. Dabei experimentiert sie für ihre Skulpturen, Installationen und Bilder mit den divergentesten Materialien: Fiberglas, Holz, Stahl, zerbrochene Spiegel, aber auch Bindis. Diese werden von hinduistischen Frauen als spirituelles Symbol auf die Stirn – zwischen den Augenbrauen, dort, wo das „dritte Auge“ sitzen soll – aufgemalt oder geklebt.

Kher nutzt Bindis als künstlerisches Mittel, um die Oberflächen von Skulpturen und Readymades in einem flirrenden All-over wie mit einer zweiten Haut zu bedecken, oder um aus den unzähligen Punkten Gemälde mit abstrakten Mustern zu konstruieren. Ursprünglich mit Weiblichkeit und Religiosität assoziiert, sind Bindis heute auch Massenware und Modeschmuck. Kher verstärkt in ihren Bindi-Arbeiten beide Aspekte: die Materialität ebenso wie die spirituelle Dimension.

Die aus zerbrochenen Spiegeln zusammengesetzte und mit Bindis überzogene Wandinstallation What can I tell you that you don’t know already (2013) zeigt ein zersplittertes, kaleidoskopisches Universum, im dem sich der Betrachter reflektiert. Dem aggressiven Akt der Zerstörung setzt Kher Schöpfung und Heilung entgegen. Aus den Rissen im Glas wächst eine neue Welt, die zugleich Mikro- und Makrokosmos sein könnte.
 
Das zentrale Motiv der Ausstellung bildet eine Serie von Skulpturen, die mit dem kontinuierlichen Wechselspiel einander widerstrebender Kräfte spielt, die allerdings an einem bestimmten Punkt von selbst in Balance kommen. Alle Skulpturen halten sich buchstäblich in einem fragilen Gleichgewicht. Man kann diese reduzierten Readymade-Arbeiten als Metapher für Khers gesamtes Schaffen sehen, in dem sich die unterschiedlichsten und widersprüchlichsten Bedeutungszusammenhänge und Denksysteme in der Schwebe halten.

Wie Dark Matter (MM) (2015), der Titel des Plakatmotives zur Ausstellung, andeutet, lösen sich diese Polaritäten in Khers Werk durch eine paradoxe Erfahrung auf. Ihre Arbeiten sind physisch extrem präsent, bleiben aber ungreifbar. In der Physik ist dunkle Materie eine postulierte Form von Materie, die nicht direkt sichtbar ist, aber über die Gravitation wechselwirkt. Und so verhält es sich auch mit Khers Kunst. Letztendlich entsteht sie erst durch die Anziehungskräfte zwischen dem Betrachter und ihrer Arbeit.

Salon Berlin; Foto Roman März

Museum Frieder Burda I Salon Berlin

Im Herbst 2016 eröffnete das Museum Frieder Burda den „Salon Berlin“, um die Kunst- Hauptstadt um ein neues Format zu bereichern. Eng mit dem Museum in Baden-Baden verbunden, ist der Salon mehr als ein Projekt- und Schauraum, der das Museumsprogramm und die Sammlung des Mutterhauses  begleitet und vermittelt. Unter der kuratorischen Leitung von Patricia Kamp wurde in der ehemaligen Mädchenschule in der Auguststraße, inmitten eines der vitalsten Kunstviertel Berlins, ein Ort des Austausches und der Diskurse geschaffen, der sich der Förderung und Vermittlung neuer künstlerischer Ausdrucksformen verschreibt.

Als Forum für internationale Gegenwartskunst nutzt der Salon Berlin die Expertise eines der erfolgreichsten Privatmuseen Deutschlands, um in Berlin aktuelle Gegenwartskunst in herausfordernden Kontexten und Kombinationen zu präsentieren. So können hier junge Künstlerinnen wie Alicija Kwade oder Nathalie Djurberg mit Werken von Sigmar Polke oder Willem de Kooning aus der Sammlung Frieder Burda in Dialog treten. Für jede Ausstellung werden thematische und ästhetische Konzepte erarbeitet, die die visuelle Gestaltung des Salons und auch das Rahmenprogramm prägen.

Der Salon verändert also mit jeder Präsentation sein Gesicht. Als Forum für internationale Gegenwartskunst bringt er Künstler, Sammler und Kunstbegeisterte, aber auch Menschen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Zusammenhängen zusammen. Der Salon Berlin will Grenzen überschreiten. Er will nicht nur dringliche Positionen vorstellen, sondern durch die Kunst intellektuelle und emotionale Anstöße geben, um notwendige Visionen für eine gemeinsame Zukunft zu entwickeln. 

Information

Kontakt

MUSEUM FRIEDER BURDA | Salon Berlin

Auguststraße 11-13
10117 Berlin

Tel.: 0049 (0) 30 240 47404
E-Mail: salon(at)museum-frieder-burda.de

Öffnungszeiten

Do - Sa, 12.00 - 18.00 Uhr

Ansprechpartner

Leitung: Patricia Kamp