Rodney Graham, Antiquarian Sleeping in His Shop, 2017, Museum Frieder Burda © Rodney Graham

Rodney Graham, Antiquarian Sleeping in His Shop, 2017

Kuriositäten, Raritäten, Antiquitäten füllen den Bildraum des monumentalen Triptychons – Antiquarian Sleeping in His Shop. Im Zentrum der fotografischen Arbeit, der Künstler Rodney Graham, in der Rolle eines Antiquars. Als Betrachter stehen wir staunend vor diesem, wie aus der Zeit gefallenen Raum, werden eingefangen von einer suggestiven, wie surrealen Atmosphäre. Mit der dreiteiligen Lightbox, die sich seit 2017 im Besitz des Museums Frieder Burda befindet, eröffnet der Künstler ein Spannungsfeld von Selbstinszenierung und Identität – einen Spielraum von Fiktion und Projektion. Rodney Graham inszeniert sich inmitten komplexer Szenenbilder virtuos in vielerlei Rollen: als Professor, Cowboy, Koch oder wie in diesem Werk als Antiquar. In seinem Studio in Vancouver rekonstruiert der Künstler ein Ladengeschäft für Antiquitäten als aufwendiges Bühnenbild, angereichert mit sorgsam zusammengetragenen Objekten aus Trödel- und Antiquitätenläden, visualisierte Sammelleidenschaft, wie sie schon im 17. Jahrhundert niederländische Künstler in Darstellungen von Kunst- und Wunderkammern thematisieren. Sammelleidenschaft auch in dem versteckten Hinweis auf den amerikanischen Experimentalfilmer und leidenschaftlichen Sammler Harry E. Smith (1923-1991), über dessen Buch der Antiquar eingeschlafen ist.

Graham nutzt die Möglichkeiten der digitalen Fotografie, um in Hunderten von Aufnahmen jedes Bildelement optisch brillant auszuleuchten und gleichbleibende Schärfe zu erzielen. Die abschließende Montage der so bearbeiteten Einzelaufnahmen hat einen künstlich, hyperrealen Effekt zur Folge.

In seinen Fotoleuchtkästen, verbindet der Künstler Alltägliches mit Anspielungen auf Kunst- und Geistesgeschichte, spannt ein Netz aus Kommentaren und Anspielungen. Rodney Grahams Lichtregie leuchtet die nächtliche Szenerie magisch aus, lässt die zahlreichen Porträts und skurrilen Gegenstände auf geheimnisvolle Weise lebendig wirken. Es scheint, als würde der Schläfer von den Objekten bedrängt, ähnlich den unheimlichen Mächten des Irrationalen, die Francisco de Goya in seiner 1797/98 entstandenen Radierung – Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer – zur Darstellung bringt.

Rodney Grahams „leuchtende Bildsprache“, die perfekt glatte Oberfläche seiner Leuchtkästen, hebt die Grenze zur Realität auf.

Der Künstler schafft geschlossene Strukturen, Räume, die wir betreten können – sie werden zur Bühne für seine und unsere Gedankenspiele.

Margit Fritz