LEGER-LAURENS "Tête-à-Tête"

23. Juni – 04. November 2012

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt vom 23. Juni bis zum 4. November 2012 eine Ausstellung von Fernand Léger (1881 Argentan – 1955 Gif-sur-Yvette) und Henri Laurens (1885 Paris – 1954 Paris), deren Werke die Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt haben. Die Gegenüberstellung dieser beiden bedeutenden Künstler ermöglicht dem Besucher, ihr jeweiliges Schaffen in zwei sehr unterschiedlichen, aber zweifellos einander ergänzenden Bereichen – der Malerei und der Bildhauerkunst – neu zu entdecken. 

Fernand Léger gehört zu den herausragenden Vertretern der Moderne des beginnenden 20. Jahrhunderts. Schon früh setzt er sich in seinen Werken mit seiner Zeit auseinander und erarbeitet in der kubistischen Phase seines Schaffens Bilder in kräftigen Farben (Blau, Weiß, Gelb, Grün), die er „Formkontraste“ nennt: eine ausschnitthafte Welt, in der die Maschine entschieden ihren Platz einzunehmen scheint. Wie Léger später selbst berichtet, war er während seines Einsatzes im Ersten Weltkrieg „fasziniert von einem offen in der Sonne liegenden Bodenstück einer 75-mm-Kanone“. Der Mensch fügt sich formelhaft in seine Sujets ein, er wird als anonymes Objekt dargestellt, wobei einer dem anderen ebenbürtig ist.Nach der „période mécanique“ bestimmt die Beschäftigung mit dem Monumentalen Fernand Légers Werk. Der Künstler konzipiert einen dynamischen Raum, in dem der Mensch – als Akrobat, Radfahrer oder Taucher – nun ganz selbstverständlich seinen Platz findet. Er malt großformatige Bilder wie „La Composition aux deux perroquets – Komposition mit zwei Papageien“ (1935–1939), ein Meisterwerk dieser Zeit. Sein politisches Engagement spiegelt sich in Werken wie „Les Loisirs – Die Rast“ oder „Les Constructeurs – Die Bauarbeiter“ wider. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitet Fernand Léger in New York, wo er großen Einfluss auf die amerikanische Kunst ausübt. Er verwendet nunmehr leuchtende, reine Farben, die sich schon bald von den Formen lösen, zu denen sie gehören. Eine neue Welt tritt in Erscheinung.Entstanden ist ein beeindruckendes Werk von universellem Charakter, das mit seiner einzigartigen Präsenz das gesamte 20. Jahrhundert geprägt hat.

Henri Laurens entdeckt den Kubismus bereits 1908. Die hohen Ansprüche, die er an seine dreidimensionalen, aus Holz und Metall gefertigten Arbeiten stellt, und die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Werk machen ihn zu einem der führenden Künstler, die unsere Sicht- und Denkweise in Bezug auf Raum, Volumen und Material zu Beginn des 20. Jahrhunderts grundlegend verändert haben. 1910 lernt er in Paris Fernand Léger kennen. Henri Laurens, der eng mit Georges Braque und Pablo Picasso befreundet ist, gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Kubismus. Es entstehen Arbeiten aus Terrakotta und Stein. 1921 löst er sich vom synthetischen Kubismus und wendet sich der menschlichen Figur und dem Volumen zu. Die dreißiger Jahre sind von massigen, dynamischen, häufig aus Bronze gefertigten Kompositionen wie „L’Océanide – Die Okeanide“ (1932/33) geprägt. In den dreißiger und vierziger Jahren entstehen dann auch voluminösere Skulpturen. Laurens, der ein Gegner jeglicher Form von Totalitarismus ist, erschafft ein überwältigendes Œuvre, in dem jene unruhige Zeit zwischen Tradition und Bruch zum Ausdruck kommt: Arbeiten wie „La grande Musicienne – Die große Musikerin“ (1938) oder „L’Adieu – Der Abschied“ (1940/41) zeugen von dieser Auseinandersetzung.Nach dem Zweiten Weltkrieg entstehen Rundplastiken wie „La Grande Baigneuse – Die große Badende“ (1947) oder „L’Automne – Der Herbst“ (1948), die für die zeitgenössische Skulptur richtungsweisend sind. 1948 repräsentiert Henri Laurens Frankreich auf der Biennale von Venedig. Die fülligen Formen verleihen seinem Spätwerk etwas Zeitloses.

 

Fernand Léger und Henri Laurens waren Zeitgenossen. Die beiden Künstler, deren Schaffen vom Geist der Freiheit geprägt war, haben einander gekannt und geschätzt.

In der Ausstellung werden sie sich in einem fruchtbaren Dialog gegenüberstehen. Dem Museum Frieder Burda – ein Ort, der dem Zusammenspiel von Licht und Raum gewidmet ist – wird dabei eine neue Rolle zuteil: Die des Sichtbarmachens zunächst ungeahnter Parallelen und Überschneidungen, die in der Zusammenschau die Bedeutung, Intelligenz und Intuition dieser beiden Künstler offenbaren. Ihre innovative Bild- und Formensprache wirkt bis heute nach, sowohl in der Malerei wie in der Bildhauerkunst.

Die Ausstellung umfasst wird mehr als 80 Arbeiten, darunter bedeutende Leihgaben aus dem Centre Pompidou in Paris, das eine beachtliche Sammlung mit Skulpturen von Henri Laurens besitzt. In Baden-Baden sind neben den Hauptwerken von Henri Laurens die von einem gänzlich neuartigen Malstil zeugenden Arbeiten Fernand Légers zu sehen, darunter sein monumentales Werk „La Composition aux deux perroquets – Komposition mit zwei Papageien“ (1935–39) aus dem Centre Pompidou, das zum ersten Mal in Deutschland gezeigt wird.

Ergänzt wird diese Auswahl um weitere Werke aus großen europäischen Museen und Privatsammlungen. Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog mit Farbabbildungen sämtlicher Exponate sowie zahlreichen Texten, Biografien und Erläuterungen.

Die eigens für das Museum Frieder Burda unter Mitwirkung des Centre Pompidou realisierte Ausstellung vereint Fernand Léger und Henri Laurens erstmals in einem fruchtbaren und vielschichtigen Dialog. Kurator der Ausstellung ist Jean-Louis Prat, ehemaliger Direktor der Fondation Maeght, der für das Museum Frieder Burda in Baden-Baden bereits die Ausstellungen „Chagall in neuem Licht“ (2006) und „Die Skulpturen der Maler“ (2008) sowie die Retrospektive „Miró – Die Farben der Poesie“ (2010) kuratierte.