Cy Twombly, Roses, Gaeta, 2004, Farbiger Dryprint auf Karton ©2016 Fondazione Nicola Del Roscio, Rom

Cy Twombly

Ausgewählte Fotografien, 1944-2006
11. Juni – 09. Oktober 2016

Die 35 Fotografien von Cy Twombly, die im Museum Frieder Burda gezeigt werden, enthalten dieselbe Poesie und Sensibilität wie sein malerisches Werk, sprechen jedoch eine ganz eigene, Vielen unbekannte Sprache. Schon in seiner Studienzeit am Black Mountain College hat sich Cy Twombly mit der Fotografie beschäftigt, aber erst ab den 1980er Jahren zeigt er diese Arbeiten öffentlich. Sie geben Dinge und Situationen aus dem Alltagsleben des Künstlers wieder - sein Atelier, Blumen, Skulpturen, Landschaften. Die eingefangenen Momente, die Farben und das Licht verraten den Blick des Künstlers für die Harmonie des Einfachen, die Poesie des Augenblicks. Der Eindruck, dass es nicht um die reine Wiedergabe des Gegenstands geht, sondern um das Zusammenspiel von Licht, Form und Farben, bestätigt sich von Blatt zu Blatt. Die zeitlos wirkenden Fotografien transportieren die unverwechselbare Stimmung des Aufnahmeorts. Seit 1957 lebt Cy Twombly vornehmlich in Italien. Ein Vergleich zwischen den in Amerika und Italien entstandenen Fotografien macht deutlich, wie sehr das mediterrane Licht, die italienische Kultur und Geschichte sein Arbeiten geprägt haben. Cy Twombly gelingt es, seine eigene, subjektive Wahrnehmung bestimmter Situationen im Bild festzuhalten und damit für alle sichtbar zu machen.

Der Betrachter kann die Welt durch die Augen des Künstlers sehen und so auch dessen malerischem Werk nachspüren. Die Fotografie bildet im Werk Cy Twomblys dennoch einen eigenständigen Bereich. Die sorgfältig komponierten Bilder stellen keine flüchtigen Gedankenskizzen dar. Sie sind das Ergebnis eines Wartens auf den Augenblick, in dem alles stimmt, das Zusammenspiel von Licht und Farbe absolut harmonisch ist. Kunsthistorische Parallelen, die der Betrachter beim Ansehen der Interieurs und Stillleben automatisch zieht und Assoziationen, die er hat, werden wohl denen des Künstlers im Moment der Aufnahme ähneln. So erinnern Interieurs mit einem Blick durch halbgeöffnete Türen und Stillleben mit Blumen oder Brot an niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Sie lassen aber auch direkt an Gemälde von Cy Twombly denken, auch wenn die Fotografie nie Studie für seine Bilder, sondern eine parallel zur Malerei laufende Ausdrucksform darstellt. Die träumerische Ruhe und Unschärfe der Fotografien bilden einen klaren Gegenpol zur unruhigen, grafischen Linienführung seiner Malerei.

Ausstellungskatalog

Cy Twombly Ausgewählte Fotografien / Selected Photographs 1944-2006

Einführung von Helmut Friedel

18,00 €
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