Obwohl der Begriff »Pop« in erster Linie mit der amerikanischen Nachkriegsmalerei in Verbindung gebracht wird, beschäftigten sich zahlreiche europäische Avantgardekünstler zur selben Zeit mit den gleichen Themen. Auch sie untersuchten die Beziehung zwischen Kunst und Konsum, griffen auf die Bildwelten von Mode, Werbung und Unterhaltung zurück oder hinterfragten die sich wandelnden Rollenbilder der Frau zwischen Pin-up und Emanzipation. Die Ausstellung im Museum Frieder Burda richtet den Fokus auf das Werk europäischer Malerinnen und Maler, die auf Innovationen der Pop Art reagierten, um das Verhältnis zwischen Kunst und moderner Vergnügungsgesellschaft neu zu hinterfragen. Vor dem Hintergrund eines regen transatlantischen Austauschs werden ihren farbstarken Arbeiten gezielt einzelne Gemälde der amerikanischen Pop Art gegenübergestellt. Insgesamt versammelt die opulente Werkschau mehr als 70 Werke von über 30 Künstlerinnen und Künstlern.
Vertretene Künstlerinnen und Künstler: Arman, Balder, Werner
Berges, Rafael Canogar, César, John Chamberlain, William Copley, Christa
Dichgans, Erró, Gérard Fromanger, Claude Gilli, Eulàlia Grau, Raymond
Hains, Maurice Henry, Allen Jones, Alex Katz, Kiki Kogelnik, Umberto
Mariani, Ivan Messac, Jacques Monory, Edgar Naccache, Sigmar Polke,
Bernard Rancillac, Antonio Recalcati, Gerhard Richter, Chryssa Romanos,
Mimmo Rotella, Niki de Saint-Phalle, Daniel Spoerri, Peter Stämpfli,
Walter Strack, Hervé Télémaque, Fernand Teyssier und Andy Warhol.
Eine
Ausstellung des Museum Frieder Burda, Baden-Baden, und des Bucerius
Kunstforum, Hamburg. Mit großzügiger Unterstützung der Fondation Gandur
pour l’Art, Genève.
Frieder Burda wurde 1936 als zweiter Sohn des Verlegers Franz Burda und der Unternehmerin Aenne Burda geboren. Leidenschaft für die Kunst und ein unfehlbarer Blick für Qualität machten ihn zu einem der international bedeutendsten Sammler seiner Generation. Das von ihm gegründete Museum beherbergt heute einen Bestand von etwa 1000 Werken moderner und zeitgenössischer Kunst. Besondere Schwerpunkte liegen auf dem deutschen Expressionismus, der deutschen Nachkriegsmalerei, der amerikanischen Kunst nach 1945 sowie dem Spätwerk Pablo Picassos. Begleitend zur Ausstellung Europa im Pop-Fieber zeigt das Museum vom 23.1. bis zum 20.6.2027 im Obergeschoss links eine hochkarätige Sammlungspräsentation, bei der die Bestände des Hauses unter dem Aspekt der gegenständlichen Malerei neu beleuchtet werden. Die Schau Picasso bis Baselitz. Figurative Meisterwerke aus der Sammlung Frieder Burda bringt rund 30 Arbeiten von zwölf künstlerischen Positionen zusammen - darunter Publikumslieblinge wie Max Beckmanns Stillleben mit Katzen (1917), Gerhard Richters Schloss Neuschwanstein (1963) oder Pablo Picassos Liegender Akt (1968).
Künstlerische Positionen:
Georg Baselitz, Max Beckmann, William Copley, Jean-Olivier Hucleux, Ernst Ludwig Kirchner, Henri Laurens, Wilhelm Lehmbruck, Markus Lüpertz, Pablo Picasso, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Eugen Schönebeck.
In der Genese der Sammlung Frieder Burda spielte Georg Baselitz (1938–2026) eine herausragende Rolle. So schätzte Frieder Burda den Künstler insbesondere für die Expressivität, die visuelle Ausdruckskraft und die hohe Authentizität seiner Arbeiten. Das 2004 von ihm gegründete Museum widmet Georg Baselitz nun die weltweit erste umfassende Retrospektive seit seinem Tod. Mit mehr als 80 sorgfältig ausgewählten Arbeiten aus über 20 internationalen Sammlungen zeichnet sie seinen Werdegang von 1960 bis 2025 eindrucksvoll nach. Der chronologische Rundgang macht sichtbar, wie radikal Baselitz die Grenzen der Malerei und Skulptur immer wieder neu ausgelotet hat. Zugleich eröffnet er einen eindringlichen Blick auf einen Künstler, der sich zeitlebens jeder Festlegung entzog und seine Bildsprache immer wieder gegen die Erwartungen seiner Zeit weiterentwickelte. Ein besonderer Akzent liegt auf Baselitz’ emotional hoch bewegendem Spätwerk, in dem die Auseinandersetzung mit Alter, Tod und Vergänglichkeit zunehmend ins Zentrum rückte. So eröffnet die Werkschau ein facettenreiches Panorama über Baselitz’ gesamtes Schaffen – von den skandalumwitterten Bildfindungen des Frühwerks bis zu den zutiefst persönlichen Arbeiten seiner letzten Lebensjahre: das Porträt eines radikalen Erneuerers, kompromisslosen Einzelgängers und sinnlichen Rebellen.