Marc Chagall, Dimanche, 1952-1954, Öl auf Leinen, Centre Pompidou (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2018

ENSEMBLE. CENTRE POMPIDOU – FRIEDER BURDA

06. April – 29. September 2019

Anlässlich seines 15-jährigen Bestehens präsentiert das Museum Frieder Burda ein einzigartiges Ausstellungsprojekt: Ensemble. Als Kunstsammler pflegt Frieder Burda bereits seit langem freundschaftliche Beziehungen zum Centre Pompidou, in dessen Ankaufskommission er als erster und einziger Deutscher vertreten war. Die tiefe Verbundenheit mit Frankreich und ganz besonders Paris ist nicht nur zentral für Burdas Biografie und seine Entwicklung als Sammler. Die verheerenden Folgen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs sowie die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich prägten auch die europäische Kunst- und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts, die Ensemble schlaglichtartig reflektiert.

Kuratiert von Brigitte Léal, der stellvertretenden Direktorin des Centre Pompidou, und mit hochkarätigen Leihgaben aus Paris, initiiert Ensemble ein Zusammenspiel zwischen den Sammlungen beider Häuser. Dabei entwickelt die Ausstellung einen komplexen Dialog zwischen deutschen und französischen Positionen. Meisterwerke deutscher Expressionisten, wie dem 1914 in der Champagne gefallenen August Macke, begegnen Werken der Väter der französischen Moderne: Pierre Bonnards spätes, sehr verletzlich wirkendes  Selbstportrait im Spiegel (1939-45) oder Pablo Picassos Le Rocking Chair (1943) sprechen von Zweifel und Isolation während der deutschen Besatzung. In Marc Chagalls Gemälde La Dimanche (1952-1954) verbinden sich Poesie und Spiritualität, was sein Werk im Nachkriegsdeutschland so ungeheuer populär machte. Zugleich hallt darin aber auch die für immer verlorene jüdische Kultur Osteuropas nach.

Georg Baselitz, Sigmar Polke und Gerhard Richter sind zentral für die Sammlung Frieder Burda. Sie setzten sich, wie später auch Anselm Kiefer, kritisch mit der verdrängten deutschen Vergangenheit, aber auch mit der Medien- und Erinnerungskultur auseinander – und legten damit den Grundstein für den internationalen Siegeszug der deutschen Malerei. Zu Ensemble steuert das Centre Pompidou spektakuläre Werke dieser Malerheroen bei – wie Kiefers gigantisches Tableau Das Geheime Leben der Pflanzen (2001-2002) oder Baselitz’ berühmt-berüchtigtes Frühwerk Ralf III (1965).

Ein spezielles Highlight bildet eine Sektion, die sich deutschen Immigranten widmet, die in den 1920er- und 30er-Jahren dazu beitrugen, Paris als Metropole der modernen Fotografie zu etablieren. Dazu zählen der Dadaist und Modefotograf Erwin Blumfeld, aber auch Marianne Breslauer und Germaine Krull, die das vom Bauhaus geprägte „Neue Sehen“ mitbrachten. Ensemble vereint ihre Werke mit Andreas Gurskys Paris-Aufnahmen von 2003, in denen er dieser Avantgarde eine großartige Referenz erweist.