Frieder Burda 29. April 1936 - 14. Juli 2019 © Barbara Klemm

Frieder Burda

MIT STIFTUNGS- UND MUSEUMSGRÜNDER FRIEDER BURDA VERLIERT DEUTSCHLAND EINE GROSSE SAMMLERPERSÖNLICHKEIT

Der Unternehmer und Kunstsammler Frieder Burda ist am 14. Juli 2019 nach längerer Krankheit im Kreise seiner Familie in seiner Heimatstadt Baden-Baden verstorben. Die Familie, die Stiftung, das Museum und die Stadt sind in großer Trauer um den Verlust.

Ungebrochen war sein Glaube an die versöhnliche Macht der Kunst, uneingeschränkt seine Faszination für die mitreißende Kraft der Farben: Mit Frieder Burda verliert die Kunstwelt einen seiner großen Sammler, der seine Liebe und Begeisterung für die Kunst immer mit möglichst vielen Menschen teilen wollte. Humanistische Werte waren ihm stets wichtiger als materielle, der Besitz von Kunst war ihm immer Verpflichtung, diese zugänglich zu machen.

Als Freund der Künstler suchte Frieder Burda den Austausch über die Ursprünge der Kunst, den unmittelbaren und inspirierenden Kontakt mit den Schaffenden. Als Stifter und Museumsgründer beschenkte er seine Heimatstadt großzügig mit einem Haus, das bis heute Menschen aus aller Welt nach Baden-Baden lockt. Als Vorstand seiner Stiftung war er für seine Mitarbeiter immer Vorbild an Bescheidenheit und Menschlichkeit. Und als Privatmensch Seite an Seite mit seiner Frau Elke hat er es vermocht, Familie und Freunde im Zeichen der Kunst immer wieder neu zusammenzuführen.

Frieder Burda (29. April 1936 – 14. Juli 2019) 

Frieder Burda wurde am 29. April 1936 in Gengenbach, Baden-Württemberg, als Sohn einer bekannten deutschen Medienunternehmerfamilie geboren. Gemeinsam mit dem älteren, bereits verstorbenen Bruder Franz und dem jüngeren Bruder Hubert wuchs er in Offenburg auf. Nach der Schulzeit, u.a. in der Schweiz, absolvierte er eine Drucker- und Verlagslehre. Im Konzern seines Vaters wurde er als Kaufmann ausgebildet. Später folgten längere Auslandsaufenthalte in Frankreich, England und den USA, bevor er eine Druckerei in Darmstadt übernahm. Diesen Betrieb entwickelte er zu einer der führenden Akzidenzdruckereien in Europa.

Seit dem Jahr 1973 war Frieder Burda in der Offenburger Zentrale des elterlichen Zeitschriftenverlags in verschiedenen Bereichen des Druck- und Verlagshauses tätig, verantwortlich für Finanzen, Verwaltung und Beteiligungen. Seine wahre Lebensaufgabe fand Frieder Burda aber in der Kunst. Mit Anfang 30 kaufte er 1968 ein auf der documenta in Kassel gesehenes Bild des Malers Lucio Fontana und legte damit den Grundstein für seine hochkarätige Kunstsammlung, der heute rund 1.000 Werke, darunter viele Meisterwerke von Pablo Picasso, Max Beckmann und Ernst-Ludwig Kirchner, Jackson Pollock, Willem de Kooning und Mark Rothko, Gerhard Richter, Georg Baselitz und Sigmar Polke angehören. Mit diesem ersten Erwerb entwickelte sich seine große Leidenschaft, aber auch tiefe Kenntnis der zeitgenössischen Kunst. Zu der auf den deutschen Expressionismus ausgerichteten Sammlungstätigkeit seines Vaters grenzte er sich damit bewusst ab.

Das Museum Frieder Burda als Lebenswerk

Um die Sammlung zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde 1998 –nachdem Bemühungen, diese im südfranzösischen Mougins zu etablieren, aufgegeben wurden – die Stiftung Frieder Burda gegründet. Sie legte den Grundstock für den vom amerikanischen Star-Architekten Richard Meier entworfenen Museumsbau, der seit 2004 die „Sammlung Frieder Burda“ in Baden-Baden im Zusammenspiel mit anderen internationalen Meisterwerken präsentiert: Ein strahlend weißer Solitär in der historischen Lichtentaler Allee, heute vielmals als das „Juwel im Park“ bezeichnet.

Zahlreiche hochkarätige Ausstellungen wurden seitdem dort gezeigt, u.a. mit Gerhard Richter, Sigmar Polke, Katharina Grosse, William N. Copley, Andreas Gursky und James Turrell. Dazu kamen thematische Ausstellungen wie „Die Bilder tun was mit mir“ oder „America! America!“. Die engagierte und profunde Vermittlung von Kunst mit sozialem Anspruch durch die Kunstwerkstatt des Museums war Frieder Burda, Ehrenbürger der Stadt Baden-Baden, dabei immer eine Herzensangelegenheit. Erst 2014 wurde mit zwei großen Übersichtsausstellungen unter dem Titel „40I10“ das 10jährige Jubiläum im Museum gefeiert. Aus Anlass des diesjährigen 15ten Jubiläums ist aktuell die Ausstellung „Ensemble“ zu sehen, die anhand des Zusammenspiels mit Meisterwerken aus der Sammlung des Centre Pompidou in Paris die deutsch-französische Freundschaft feiert. Anfang des Jahres hatte das Haus noch durch eine Banksy-Ausstellung für Furore gesorgt. Mit dem Salon Berlin, den seine Stieftochter Patricia Kamp leitet, schlägt das Museum heute eine Brücke in die Gegenwartskunst.

Immer hat Frieder Burda sich neuen Anregungen und der Auseinandersetzung mit diesen gestellt. Zugleich blieb er sich stets treu in seinem Glauben an die verbindenden Kräfte der Kunst. Zu der aktuellen Ausstellung „Ensemble“ hatte er, der leidenschaftliche Frankophile, noch im Katalog geschrieben: „Die Spiegelung der beiden Sammlungen, die Gegenüberstellung einzelner Werke deutscher und französischer Künstler zeigt, wie sehr die Kunst verbindet, sich über Grenzen hinweg positiv beeinflusst und ergänzt. Das macht mich froh und bestärkt mich im Glauben an das universell Verbindende der Kunst, ihre Gültigkeit und ihr Bestehenbleiben über alle Krisen hinweg.“ Am 14. Juli 2019, dem französischen Nationalfeiertag, ist Frieder Burda nun 83jährig in Baden-Baden im Kreis seiner Familie gestorben.