DARK MATTER MM
BHARTI KHER
14. 10. 2017 — 17. 2. 2018
Neue Natur –Optimierter Mensch? Die Digitalisierung fordert ihren Tribut, das Anthropozän hat längst begonnen –und Gott ausgedient: Der Mensch designt seinen Lebensraum, sein Körper wird zum modularen Baukasten. Wenn sich jetzt der Mensch selbst als Schöpfer seiner eigenen Realität erlebt, wie wird es ihm vor diesem Hintergrund gelingen, seine eigene Lebendigkeit zu kultivieren und die Verbindung zwischen allem Leben auf unserem Planeten lebendig zu erhalten, so wie es einst der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) für unser Verständnis von Natur formuliert hat? Bharti Kherverbindet in ihrem Schaffen nicht nur unterschiedliche Techniken, Materialien und Medien, sondern auch Männliches und Weibliches, Tierisches undMenschliches, Heiliges und Profanes, Tradition und Technologie. So wie sich ihr Werk mit alchemistischen oder magischen Prozessen assoziiert, vermittelt es zugleich die Vorstellung, dass die menschliche Identität in ständiger Transformation und Konstruktion begriffen ist. Den Kern ihres Werkes bildet, wie sie selbst betont, der „hybridisierte, widerspenstige, in Frage gestellte oder auch völlig abwesende Körper.“
Vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt, in der die Balance zwischen Zivilisation und Natur immer stärker ins Wanken gerät,vermitteln Khers Werke eine nahezu körperliche Erfahrung von Erschütterung, Unsicherheit und Wandel. Zugleich thematisieren sie das kontinuierliche Streben nach Ausgleich und Vereinigung. Kher interessiert sich für jenen Moment, in dem scheinbar widersprüchliche Kräfte ein Equilibrium finden und völlig neue Erfahrungen und Bedeutungen hervorbringen. Dabei experimentiert sie für ihre Skulpturen, Installationen und Bilder mit den divergentesten Materialien: Fiberglas, Holz, Stahl, zerbrochene Spiegel oder auch Bindis. Diese werden von hinduistischen Frauen als spirituelles Symbol auf der Stirn –zwischen den Augenbrauen, dort, wo das „dritte Auge“ sitzen soll –aufgemalt oder geklebt. Ursprünglich mit Weiblichkeit und Religiosität assoziiert, sind Bindis heute zugleich Massenware und Modeschmuck. Kher verstärkt in ihren Bindi-Arbeiten beide Aspekte: die Materialität ebenso wie die spirituelle Dimension.