{"id":2463,"date":"2026-09-04T17:44:37","date_gmt":"2026-09-04T15:44:37","guid":{"rendered":"https:\/\/preview.museum-frieder-burda.de\/ausstellung\/matthew-lutz-kinoy\/"},"modified":"2026-09-08T14:51:08","modified_gmt":"2026-09-08T12:51:08","slug":"matthew-lutz-kinoy","status":"publish","type":"ausstellung","link":"https:\/\/www.museum-frieder-burda.de\/fr\/ausstellung\/matthew-lutz-kinoy\/","title":{"rendered":"MATTHEW LUTZ-KINOY"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><\/figure>\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Salon Berlin betretend, tauchen die Besucher*innen in eine immersive Skulptur aus pinkfarbenen Pompons und rosafarbenem Teppich ein \u2013 eine Raumerfahrung, die Lutz-Kinoys Interesse an k\u00fcnstlerischer Transformation und spirituellen \u00dcberg\u00e4ngen r\u00e4umlich \u00fcbersetzt. Pompoms, die in ihrer pluralistischen Formensprache zugleich f\u00fcr Kost\u00fcmierung und Blumen stehen, dienen hier als Filter, durch den andere Werke der Ausstellung betrachtet werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">K\u00f6rper, heilige und profane, erscheinen in Lutz-Kinoys Bildern und erinnern an die <em>Porte de l'Enfer<\/em>(1880\u20131917) des franz\u00f6sischen Bildhauers Auguste Rodin. Rodins Bronzetor zeigt dramatische Szenen aus dem epischen Gedicht Inferno, den Betrachtungen Dante Alighieris aus dem 14. Jahrhundert \u00fcber die Zur\u00fcckweisung der S\u00fcndhaften, w\u00e4hrend die Seligen zum G\u00f6ttlichen emporsteigen. \u00dcber 180 Figuren dr\u00e4ngen, drehen und winden sich in diesem monumentalen Rahmen. In <em>Exhausted Angel Receives an Announcement in Rodin's Garden<\/em> (2019) stellt der K\u00fcnstler einen err\u00f6tenden Engel dar, der himmelw\u00e4rts blickt. Schatten zweier Arme reichen hinunter in den Garten zur ersch\u00f6pften Figur. Von einem buschigen \u00fcppigen Immergr\u00fcn umrahmt, ist die Gartenszene eine malerische Meditation \u00fcber die Porosit\u00e4t von Innen- und Au\u00dfenwelten. Wie ein Fenster l\u00e4dt das Gem\u00e4lde Betrachter*innen ein, \u00fcber ihre Realit\u00e4t hinauszuschauen. Im Dialog mit etlichen Keramikarbeiten sowie <em>Wings of Flamingos, Camargue<\/em> (2020) \u2013 einem raumgreifenden Deckengem\u00e4lde, das auch die Figur des erm\u00fcdeten Engels aufgreift \u2013 zieht der gro\u00dffl\u00e4chige, monochrome Teppich die Aufmerksamkeit auf die theatralischen M\u00f6glichkeiten der Architektur und auf die Aktivierung eines Raumes durch Ornamentierung. Lutz-Kinoy spiegelt diese thematische Vielf\u00e4ltigkeit auch in den formalen Qualit\u00e4ten seiner Gem\u00e4lde, die an Drucktechniken erinnern. Der additive Auftrag von Acrylfarben und ein gestischer Pinselduktus sich \u00fcberschneidender, lasierender Farben er\u00f6ffnen eine Reise in die Tiefe, bildlich und geistig. In <em>Lombardy Capriccio<\/em> (2020) wird eine wolkige, blau-gr\u00fcne Landschaft unter einem verzierten Bogen gezeigt, der auf ein Deckenornament aus dem Zuhause des K\u00fcnstlers verweist. Die Szenerie zitiert aus Francesco Guardis <em>Fantasielandschaft<\/em> (um 1765) der Sammlung des Metropolitan Museum of Art, New York: ein fiktives Idyll mit Ruinen der Klassik, das so bemessen war, dass es in eine heute nicht mehr vorhandene dekorative Gipsumrahmung passte. Lutz-Kinoy l\u00f6st in Gem\u00e4lden oft Details aus ihrem Zusammenhang, um sie in einem neuen Kontext zu betrachten, wie etwa in <em>Lectures of Burle Marx<\/em> (2020), dem Portr\u00e4t einer wilden Orchidee, die er auf einem Gehweg in Rio de Janeiro gefunden hat. Pflanzen und Blumen sind oft die Protagonisten in Lutz-Kinoys Werken. Sie erscheinen als Begleiter oder Erweiterungen des K\u00f6rpers. In diesen Bildern ist der Rahmen ein aktivierter Raum, in dem Beziehungen neu gekn\u00fcpft, Verg\u00e4nglichkeit thematisiert und ein Feld definiert wird, in das Betrachter*innen versinken k\u00f6nnen. Die wechselnden Jahreszeiten und fl\u00fcchtigen Wolken vermitteln den Wandel und das Flie\u00dfen der Zeit. Lutz-Kinoy fasst die Zeit nicht linear oder als singul\u00e4res Konzept auf. \u201eDas Konzept der Zukunft kann problematisch sein\u201c, schreibt der Performance-Theoretiker Jos\u00e9 Esteban Mu\u00f1oz im grundlegenden Buch <em>Cruising Utopia<\/em> (2009), auf das sich auch Lutz-Kinoy beruft. Die konventionelle Auffassung einer sich linear abwickelnden Zeit wird von Mu\u00f1oz als \u201estraight time\u201c bezeichnet. Zeit sei \u201estraight\u201c, stellt er kritisch fest, wenn die Zukunft von der Gegenwart vorherbestimmt wird. Heteronormativit\u00e4t sei deshalb nicht nur eine Form der sexuellen Beziehung, sondern auch der sozialen Produktion.                      Aber anstatt zu behaupten, dass es folglich \u2013 oder sogar grunds\u00e4tzlich \u2013 keine Zukunft mehr g\u00e4be, feiert Mu\u00f1oz das Vorhandensein vieler potentieller \u201eZuk\u00fcnfte\u201c in der Gegenwart. Zukunft entsteht auf der Tanzfl\u00e4che, der B\u00fchne und \u00fcberall dort, wo queere Erfahrungen gemacht werden. An diesen Orten wird eine Re-Vision der Zukunft durch das Fenster der queeren Performitivit\u00e4t erlebbar. In den Interventionen dieser Ausstellung, in der sich die Bildsprachen der Repr\u00e4sentation und Performance verbinden, erkundet Matthew Lutz-Kinoy R\u00e4ume \u00fcber ihre Vergangenheit oder Zeitgeschichte hinaus. Als Sicht auf eine Gegenwart, die der Zukunft nichts schuldet, schenken diese Intimit\u00e4ten uns Einblicke in den Himmel \u2013 oder wie Mu\u00f1oz es benennt, die Ekstase \u2013 auf Erden.    <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Salon Berlin betretend, tauchen die Besucher*innen in eine immersive Skulptur aus pinkfarbenen Pompons und rosafarbenem Teppich ein \u2013 eine Raumerfahrung, die Lutz-Kinoys Interesse an k\u00fcnstlerischer Transformation und spirituellen \u00dcberg\u00e4ngen r\u00e4umlich \u00fcbersetzt. 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