Sonia Gomes: I Rise

I'm a Black Ocean, Leaping and Wide

7. September 2019 - 22. Februar 2020

Kopfüberhängende, ineinander verdrehte Leiber, die an Gelynchte oder verwelkende Vegetationen denken lassen. Nervenbahnen, innere Landkarten, Traumfänger: Sonia Gomes‘ biomorphe Skulpturen sind von beunruhigender, geradezu magischer Präsenz. 1948 als uneheliche Tochter einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters in Caetanópolis, einem Zentrum der brasilianischen Textilindustrie, geboren, wuchs Gomes nach dem frühen Tod der Mutter in der weißen, katholischen Familie ihres Vaters, einem Textilunternehmer, auf. Die afrikanische Kultur und Spiritualität ihrer Mutter und Großmutter, das Interesse an Ritualen, Prozessionen und Mythen sollten jedoch ihr Leben und ihr späteres Werk nachhaltig prägen. Schon als Jugendliche hatte Gomes damit begonnen, Textilien und Kleidung zu dekonstruieren, um ihren eigenen Stil zu kreieren und daraus Gebrauchsgegenstände und kunsthandwerkliche Objekte zu schaffen. Doch erst 40-jährig, als sie die Guignard-Kunstschule in Belo Horizonte besucht, entsteht durch die Unterstützung eines Lehrers der Entschluss, eine Laufbahn in der Gegenwartskunst einzuschlagen. Heute gehört sie nach ihrer Beteiligung an der 56. Biennale in Venedig 2015 zu den einflussreichsten Künstlerinnen Brasiliens.

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Rwandan Daughters

by Olaf Heine

7. September 2019 - 22. Februar 2020

Fast eine Million Menschen fielen dem Völkermord in Ruanda 1994 zum Opfer, etwa 250.000 Frauen wurden vergewaltigt. Heute leben Täter und Opfer oft Tür an Tür. Und während Frauen in der ruandischen Gesellschaft in den vergangenen 25 Jahren an Einfluss gewonnen haben, leben die Opfer der Vergewaltigungen und ihre Kinder weiterhin oft ausgegrenzt mit dem Stigma der Witwen und Waisen. Gerade die Töchter der Vergewaltigungsopfer sind es heute, die ihre traumatisierten Mütter auffangen und gegen das Stigma ankämpfen – mit beispiellosem Mut und grenzenloser Zuversicht in einer von schweren Traumata geprägten und autoritär regierten Gesellschaft. „Rwandan Daughters“ ist ein Zeugnis der Kraft dieser Frauen. In ausdrucksstarken Bildern hat der deutsche Fotograf Olaf Heine (*1968) die Mütter und Töchter Ruandas portraitiert – Seite an Seite am Ort des Geschehens. Manchmal gehen die Blicke von Mutter und Tochter in verschiedene Richtungen, manchmal gibt es zärtliche Berührungen. Allein ein mildes Lächeln wäre eine Lüge. Aber aus den Ähnlichkeiten der Gesichter spricht ihre Verbindung und damit ihre geteilte Hoffnung, die Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Oft wirkt der tropische Naturraum versöhnlich, während der Stadtraum die Entbehrungen und Verletzungen wachhält. Und doch: Alle Orte sind auch Tatorte gewesen.

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JR – ADRIAN PIPER – RAY JOHNSON

25. April - 5. August 2019

Mail-Art hat keine Geschichte, nur den jetzigen Moment. Nie zuvor hatte dieses Statement von Ray Johnson aus dem Jahr 1977 mehr Gültigkeit als im Kontext heutiger Korrespondenz und Kommunikationsverhaltens, vor allem im Zeichen sozialer Netzwerke. Im Internet existiert alles im gegenwärtigen Augenblick. Die Informationen, die wir erstellen und weitergeben, werden durch Medien ohne Hierarchie oder Zentralität transportiert und entwickeln die künstliche Intelligenz von morgen. Die soziale Vernetzung durch die Möglichkeiten des Internets hat die globale Gesellschaft längst umstrukturiert. –Mit seiner aktuellen Ausstellung führt der Salon Berlin des Museum Frieder Burda drei künstlerische Positionen unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Strategien zusammen, die alle eines im Fokus haben: Den Appell an den Betrachter, als Akteur im Sinne des Kunstwerks „mitzumachen“ und dieses damit seinem eigentlichen Zweck zuzuführen. Erst der „Pakt“ zwischen Künstler und Rezipient vollendet das auch nicht selten ephemere Kunstwerk in seiner eigentlichen Intention.

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THE VOID

Gregory Crewdson – Isa Genzken – Chris Jordan

9. Februar – 23. März 2019

Düstere Straßen und einsam stehende Häuser, kaum ein Mensch unterwegs. Die im wahrsten Sinne des Wortes „un-heim-lichen“ Bilder des amerikanischen Fotografen Gregory Crewdson(geb. 1962) aus der Serie „Beneath the Roses“ könnten einem alten Hitchcock-Film in bester Hollywood-Manier entnommen sein. Wie in diesen werden die Orte und Szenen zu Spiegeln der Seele –und einer bedrückend empfundenen Leere des Daseins. Das Haus als Behausung der suchenden, einsamen Seele, geheimnisvoll und beklemmend: Crewdson inszeniert seine großformatigen Bilder mit höchstem cineastischem Aufwand und lässt die Abgründe hinter den alltäglichen Fassaden, ihren zart leuchtenden Fenstern, verhalten durchschimmern. Was geschieht wohl im Inneren der Häuser, werden hier die allseits bekannten Leichen produziert, die immer und überall im Keller schlummern? Crewdsons Vater war Psychotherapeut, die Dinge, die den Menschen umgeben, als Ausdruck des Inneren zu lesen, in die Tiefen der Seele einzutauchen und die Prozesse des Unterbewussten sichtbar zu machen, war dem Künstler schon früh vertraut. Jenseits der versöhnlichen Oberflächen funktionieren seine Bilder daher als perfekt inszenierte Metaphern für Ängste und Sehnsüchte.

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Candice Breitz: Sex Work

im Dialog mit Werken von William N. Copley aus der Sammlung Frieder Burda

21. September 2018 — 5. Januar 2019

Seit die #MeToo-Bewegungden Mainstream erreicht hat, zielt der Diskursdarauf ab, geschlechtsspezifisch motivierte Gewalt zu analysieren und sichtbar zu machenund hat so eine derwichtigsten wie auchumstrittenstenDebatten unserer Zeitausgelöst. In der Offenlegung der Dynamiken von Gender und Macht, die die Beziehungen am Arbeitsplatz (und in der restlichen Welt) bestimmen, hat die Bewegung allerdings überproportional viel Aufmerksamkeit auf solche Vorfälle des Missbrauchsund der sexuellen Belästigunggerichtet, die von privilegierten Individuen und/oder Personen mit großer Medienpräsenz zur Sprache gebracht wurden. Obwohl die in Candice Breitz: Sex Work gezeigten Videoarbeiten bereits vor dem Höhepunktder #MeToo Bewegung im Oktober 2017 entstanden sind spiegeln sie doch eindringlich die Debatte wider. Candice Breitz thematisiert die geschlechtsspezifisch motivierte Gewalt mit der Sexarbeiter*innen bei ihrer Arbeit und in ihrem Leben konfrontiert sind und setzt damit den Fokus zentraler Fragen der Bewegung neu.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von den Arbeiten des US-amerikanischen Künstlers William N. Copley(1919-1996), einer bedeutenden Außenseiterfigur der Kunst des 20. Jahrhunderts, zu den Arbeiten der südafrikanischen, in Berlin lebenden Künstlerin Candice Breitz (geb. 1972), einer der führenden Stimmen der Gegenwartskunst. In den Arbeiten der Ausstellung fechten beide Künstler*innen vehement die Stigmatisierung von Sexarbeit an, wenn auch aus radikal unterschiedlichen Perspektiven.

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Zurück zur Natur?

13. April – 18. August 2018

Neue Natur –Optimierter Mensch? Die Digitalisierung fordert ihren Tribut, das Anthropozän hat längst begonnen –und Gott ausgedient: Der Mensch designt seinen Lebensraum, sein Körper wird zum modularen Baukasten. Wenn sich jetzt der Mensch selbst als Schöpfer seiner eigenen Realität erlebt, wie wird es ihm vor diesem Hintergrund gelingen, seine eigene Lebendigkeit zu kultivieren und die Verbindung zwischen allem Leben auf unserem Planeten lebendig zu erhalten, so wie es einst der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) für unser Verständnis von Natur formuliert hat?

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Bharti Kher

Dark Matter (MM)

14. Oktober 2017 — 17. Februar 2018

Bharti Kherverbindet in ihrem Schaffen nicht nur unterschiedliche Techniken, Materialien und Medien, sondern auch Männliches und Weibliches, Tierisches undMenschliches, Heiliges und Profanes, Tradition und Technologie. So wie sich ihr Werk mit alchemistischen oder magischen Prozessen assoziiert, vermittelt es zugleich die Vorstellung, dass die menschliche Identität in ständiger Transformation und Konstruktion begriffen ist. Den Kern ihres Werkes bildet, wie sie selbst betont, der „hybridisierte, widerspenstige, in Frage gestellte oder auch völlig abwesende Körper.“

Vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt, in der die Balance zwischen Zivilisation und Natur immer stärker ins Wanken gerät,vermitteln Khers Werke eine nahezu körperliche Erfahrung von Erschütterung, Unsicherheit und Wandel. Zugleich thematisieren sie das kontinuierliche Streben nach Ausgleich und Vereinigung. Kher interessiert sich für jenen Moment, in dem scheinbar widersprüchliche Kräfte ein Equilibrium finden und völlig neue Erfahrungen und Bedeutungen hervorbringen. Dabei experimentiert sie für ihre Skulpturen, Installationen und Bilder mit den divergentesten Materialien: Fiberglas, Holz, Stahl, zerbrochene Spiegel oder auch Bindis. Diese werden von hinduistischen Frauen als spirituelles Symbol auf der Stirn –zwischen den Augenbrauen, dort, wo das „dritte Auge“ sitzen soll –aufgemalt oder geklebt. Ursprünglich mit Weiblichkeit und Religiosität assoziiert, sind Bindis heute zugleich Massenware und Modeschmuck. Kher verstärkt in ihren Bindi-Arbeiten beide Aspekte: die Materialität ebenso wie die spirituelle Dimension.

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Nathalie Djurberg & Hans Berg

30 juin – 30 septembre 2017

Les «terribles» femmes de Djurberg et Berg, séductrices, démones, sorcières et mères omnipotentes, rappellent le célèbre cycle «Woman» de de Kooning datant du début des années 1950.Comme chez de Kooning, le corps que l’art a transformé et déformé permet d’accéder aux dispositions psychiques refoulées –en partant toutefois de prémices parfaitement distinctes. Djurberg utilise la déformation pour opérer parfaitement consciemment une réflexion sur les stéréotypes et rapports de force qui règnent dans un univers dominé par les hommes. Le processus artistique de Djurberg et Berg est, comme pour de Kooning, déterminé par l'intuition, par le rapport direct avec le support artistique et le traitement physique de ce dernier.

L’exposition s’ouvre sur des œuvres faisant partie de la série d’installations «A Thief Caught in the Act (Flock of Birds)», 2015. Divers oiseaux modelés par Djurberg sont en train de voler des pilules multicolores. Ils sont éclairés par intervalles commepar les phares d’un véhicule de contrôle policier, le spectateur devenant alors pratiquement témoin d’une infraction, d’un acte interdit de satisfaction de plaisir. La première salle d’exposition montre trois vidéos récentes de Djurberg & Berg, en particulier l’animation«Worship» (2016), dans laquelle des figures en pâte à modeler se défoulent sur des objets aux diverses connotations sexuelles: bananes, donuts, épis de maïs, saucisses. Ces objets se retrouvent également dans une installation murale en onzeparties portant le même titre.

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Deconstructing Boarders

SIGMAR POLKE / ALICJA KWADE

4 février — 6 mai 2017

C’est le tableau fluorescent de Sigmar Polke, Amerikanisch-Mexikanische Grenze (Frontière américano-mexicaine)datant de 1984 qui constitue le point de départ de ce projet dont le commissariat est assuré par Patricia Kamp. Utilisant la technique de la trame par points d’imprimerie à laquelle il a recours depuis les années 1960, Polke transforme en une composition vibrante une photo de journal montrant des migrants illégaux mexicains qui tentent de franchir une clôture métallique pour entrer aux États-Unis. Tandis que lejaune fluo évoque un acide toxique, les points de trame et le motif du grillage découpent les plans de l’image. Le tableau de Polke prend des accents presque prophétiques au regard des projets actuels du nouveau président américain Donald Trump de construction d’un mur de 3141 kilomètres le long de la frontière entre le Mexique et les États-Unis. Pour autant Polke évite d’alourdir le sujet d’une charge émotionnelle. Avec le mélange ironique de politique et de pop qui lui est propre,il garde ses distances et préfère questionner l’effet des images médiatiques etl’attitude du spectateur.

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Das Schöne, das ich suche

15 octobre 2016 — 21 janvier 2017

En étroite collaboration avec le musée de Baden-Baden, le Salon Berlin, dont Patricia Kamp est commissaire, présente les multiples aspects du programme du Musée et de la Collection Frieder Burda. Tout à la fois vitrine et champ d’expérimentation du Musée Frieder Burda, il entendégalement être un forum d’art contemporain international. Par le biais d’expositions à thèmes, de présentations individuelles et d’événements d’actualité, leSalon Berlin établit un dialogue avec la scène artistique foisonnante de la métropole. La capitale voit ainsi se raviver une vieille tradition –sous une forme adaptée à son temps et en un lieu chargé d’histoire au cœur des quartiers de la ville où la vie artistique connaît son plus grand dynamisme.

Le Salon Berlin est situé dans l’ancienne école juive de jeunes filles de la Auguststraße. Les pièces situées directement en face du KW Institute for Contemporary Art, ont déjà été associées à un contexte artistique lors de la 4e Biennale de Berlin en 2006. Depuis quelques années, le complexe abrite diverses galeries et institutions consacrées à l’art. Avec des cafés et restaurants sur place et la proximité de nombreux autres lieux d’art dans le quartier, la situation géographique et les lieux ne sont pas loin de composer le cadre idéal à ce projet. Faisant écho à la tradition des salons, le Salon Berlin entend être un lieud’échanges et d’inspiration -entre des positions artistiques historiques et contemporaines tout comme entre musées et artistes, et bien sûr, entre Baden-Baden et Berlin.

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