I RISE: I'M BLACK OCEAN, LEAPING AND WIDE
SONIA GOMES
7. 9. 2019 — 22. 2. 2020
Kopfüberhängende, ineinander verdrehte Leiber, die an Gelynchte oder verwelkende Vegetationen denken lassen. Nervenbahnen, innere Landkarten, Traumfänger: Sonia Gomes‘ biomorphe Skulpturen sind von beunruhigender, geradezu magischer Präsenz. 1948 als uneheliche Tochter einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters in Caetanópolis, einem Zentrum der brasilianischen Textilindustrie, geboren, wuchs Gomes nach dem frühen Tod der Mutter in der weißen, katholischen Familie ihres Vaters, einem Textilunternehmer, auf. Die afrikanische Kultur und Spiritualität ihrer Mutter und Großmutter, das Interesse an Ritualen, Prozessionen und Mythen sollten jedoch ihr Leben und ihr späteres Werk nachhaltig prägen. Schon als Jugendliche hatte Gomes damit begonnen, Textilien und Kleidung zu dekonstruieren, um ihren eigenen Stil zu kreieren und daraus Gebrauchsgegenstände und kunsthandwerkliche Objekte zu schaffen. Doch erst 40-jährig, als sie die Guignard-Kunstschule in Belo Horizonte besucht, entsteht durch die Unterstützung eines Lehrers der Entschluss, eine Laufbahn in der Gegenwartskunst einzuschlagen. Heute gehört sie nach ihrer Beteiligung an der 56. Biennale in Venedig 2015 zu den einflussreichsten Künstlerinnen Brasiliens.