Rodney Graham , The Gifted Amateur, November 10th 1962, 2007, Privatsammlung © Rodney Graham

Rodney Graham, The Gifted Amateur, November 10th 1962, 2007

Nach Ausstellungen zur Fotografie von Gregory Crewdson, Andreas Gursky, dem Straßenkünstler JR, Barbara Klemm  präsentiert das Museum Frieder Burda ab dem 8. Juli bis 26. November riesige Fotoleuchtkästen des kanadischen Konzeptkünstlers Rodney Graham. Es sind Selbstinszenierungen bei denen Graham wie ein Flaneur durch die Lebenswelten des 19. und 20. Jahrhunderts wandert, um dabei dem eigenen Selbstverständnis und seiner Identität als Künstler auf die Spur zu kommen. Er lädt uns ein, ihn auf dieser Zeitreise zu begleiten  und in seinen humorvollen und auch tiefgründigen Werken viele Bezüge zu Film, zu Musik, Literatur, Popkultur oder auch Malerei zu entdecken.

So beschreibt der 1949 geborene, in Vancouver lebende Rodney Graham die Figur im Triptychon „the Gifted Amateur“ als „einen Hobbykünstler, einen absoluten Anfänger, er sei vielleicht ein Zahnarzt oder ein Rechtsanwalt aus Vancouver, in einer Midlifecrisis, aus New York zurückgekehrt , wo er eine Ausstellung gesehen hat.  Dort hat er sich inspirieren lassen, mit der Malerei zu beginnen und mehr über Kunst zu lernen“.

Tatsächlich  sieht man in einem eleganten Westküstenbungalow mit passender Einrichtung im Stil der 1950 ger Jahre und einem Glasfenster, das auf einen japanisch angelegten Garten öffnet, ein Wohnzimmer, das zum Atelier wurde.  Auf dem Tisch und neben der Couch stapeln sich Kunstbücher über Max Ernst, Paul Klee, Joan Miro, Juan Gris, Georges Braque, Piet Mondrian und vor allem über Pablo Picasso. Sie sind das zentrale Thema auf den Seitentafeln des Triptychons, Hinweise auf die Kunstgeschichte. 

Im Mittelteil des Triptychons erlebt der „begabte Amateur“, noch im Pyjama gekleidet, Kunst unmittelbar, es geht um den Schöpfungsmythos: er gießt in der Art des amerikanischen Farbfeldmalers Morris Louis, der kurz zuvor gestorben war, Farben auf das Bild, die die schräggestellte Leinwand hinunterfließen.

Ab dem 17. Jahrhundert hatte ein „Amateur“ in England eine Ausbildung im Zeichnen und Aquarellieren absolviert und war Angehöriger des Adels, die Bezeichnung geht also über den Hobbymaler im deutschen Sprachgebrauch hinaus. Vielleicht lässt der Maler im Bild diese Tradition wieder aufleben?

Für das Fotoshooting der drei großformatigen, von hinten beleuchteten Farbdias  hatte Rodney Graham in viermonatiger Arbeit in einer Turnhalle in Vancouver die Szenerie  aufgebaut mit vielen Accessoires, wie die ausgelegten, authentischen Zeitungen, die das Werk datieren, die Holzvertäfelung und die Bücher bei Antiquariaten erworben.

Brigitte von Stebut