Deutsche Kunst nach 1960

Einen einzigartigen Stellenwert innerhalb der Sammlung nehmen umfassende monographische Werkgruppen von Gerhard Richter, Sigmar Polke und Georg Baselitz ein, die von den 1960er Jahren bis heute datieren. Sie stehen für die enorme Bedeutung des Bildes und dessen Kontinuität in der deutschen Malerei der letzten 50 Jahre.

Neben der Notwendigkeit, sich der Kunst über einen emotionalen Weg zu nähern, entdeckte Frieder Burda Mitte der 1980er durch das Werk Gerhard Richters die Faszination der handwerklichen Vollkommenheit und Perfektion. Seine Malerei in ihrer kühlen distanzierten Ästhetik entwickelt und transportiert scheinbar paradox eine ganz eigene Form der Emotionalität. In dem Werk stehen gegenständliche und ungegenständliche Bilder von Anfang an nebeneinander; von diesen Polen aus umkreisen sie sichtbare, unsichtbare und mediale Wirklichkeiten.

Fast zeitgleich begegnete der Sammler Sigmar Polke, einem frühen Weggefährten Richters, der in seiner Arbeit einen intellektuellen und geistreichen Kosmos erforscht, welcher sich vor allem aus der Vielseitigkeit und Sinnlichkeit der verwendeten Materialien heraus entwickelt. Ironie, Witz und Magie mischen sich in den immer wieder mit neuen Techniken experimentierenden Bildern Polkes, auch hier in teils abstrakten, teils gegenständlichen Kompositionen. Seine Rasterbilder lösen den Gegenstand in das - hier paradoxerweise manuell erzeugte - Rastersystem massenhafter maschineller Bildreproduktion auf.

Georg Baselitz wiederum verhalf mit seiner Kunst ab den 1960er Jahren nach über nahezu 20 Jahren des Diktats durch Informel und Tachismus im westlichen Nachkriegsdeutschland zur Wiederbelebung der gegenständlichen Malerei, wobei er sich die malerischen Erfahrungen des Abstrakten Expressionismus aneignete, deren formale gestische Experimente er allerdings für das Erfinden einer Verwandlung der hergebrachten figürlichen Malerei zu nutzen wusste. Seit 1969 stellt er seine Kompositionen auf den Kopf, um den Gegenstand gegenüber den malerischen Qualitäten zu neutralisieren, dabei dem Bild durch den Gegenstand aber eine gewisse Verbindlichkeit zu sichern.

Arnulf Rainer, dessen Werk mit Tachismus und Informel in Verbindung gebracht wird, ging seit den 1950er Jahren einen Sonderweg. Mit seinen gestisch-expressiven Übermalungen, in denen das Bild durch Farbe zum Verschwinden gebracht wird, formuliert er seine Obsessionen von Einsamkeit und Tod. "Keine Abstraktionen", sagt er, seien diese Werke, "sondern Verhüllung".

In Richter, Polke und Baselitz, die zweifellos zu den international bedeutendsten Künstlern unserer Zeit gehören, und in Arnulf Rainer begegnet der Sammler Frieder Burda den Künstlern seiner Generation. Ihr Werk ist in der Sammlung besonders umfangreich vertreten und bildet ihren eigentlichen Kern.

Werke von Günther Uecker, Heinz Mack, Adolf Luther und Christian Megert repräsentieren in der Sammlung Frieder Burda einen bedeutenden Abschnitt deutscher Nachkriegskunstgeschichte. 1957/58 begründen Heinz Mack und Otto Piene in Düsseldorf die Künstlergruppe ZERO, die einen idealistischen Neubeginn in der Kunst propagierte und der sich wenig später auch Günther Uecker anschloss. Ihr zentrales Anliegen ist die Überwindung des subjektiv-gestischen Informel zugunsten einer reduzierten elementaren Formensprache mit neuen Materialien wie Kunstharz, Aluminium und Glas. Licht und Bewegung avancieren zu wesentlichen Gestaltungsmitteln um die Wirkkraft der Kunstobjekte zur vollen Entfaltung zu bringen.

KÜNSTLER