Februar 2017

Sigmar Polke, Triptychon, 1996, Synthetischer Harz und Lack auf Polyestergewebe; 3 Bilder, je 350 x 280 cm, ©The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Bild des Monats

In der Sammlung Frieder Burda gehören die Werke Sigmar Polkes neben denen von Gerhard Richter und Georg Baselitz zu den zentralen Sammlungsschwerpunkten. Das monumentale Triptychon ist sogar eine Auftragsarbeit, die Polke anlässlich der erstmaligen Ausstellung der Sammlung Frieder Burda 1996 in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden fertigte. Wie Frieder Burda 2007 selbst erläuterte, sind damit alle Schaffensphasen Polkes in seiner Sammlung vertreten: Das Triptychon „komplettiert meine Polke-Sammlung; mit ihm habe ich nicht nur Zeichnungen, Raster- und Stoffbilder von Polke, sondern eben auch ein bedeutendes Ensemble von Schüttbildern, sodass alle Richtungen, die Polke bislang verfolgte, belegt sind.“

Als Schüttbilder bezeichnet Polke Gemälde, bei denen die Farbe direkt auf den Bildträger geschüttet und der anschließend in verschiedene Richtungen unterschiedlich hoch angehoben wird. Auf diese Weise entstehen Farbverläufe bei denen der Zufall eine große Rolle spielt. Das Stichwort lautet hier „kalkulierter, gesteuerter Zufall“, da das Eingreifen des Künstlers und das Zufallsprinzip sich wechselseitig ergänzen.

Polke trägt die Farbe nicht mit dem Pinsel auf, sondern lässt die Farbe selbständig nur durch das Bewegen des Stoffes fließen und reagiert anschließend in seinem weiteren Vorgehen auf die sich so ergebenden Formen und Farbverläufe.

In unserer großformatigen, dreiteiligen Arbeit hat er Lackfarbe auf halbtransparentes Polyestergewebe aufgebracht und sie großformatige Farbflächen und filigrane Schlieren bilden lassen. Durch den Farbauftrag in verschiedenen Schichten und dem Aufbringen weiterer Substanzen entstehen amorphe Formationen in abstrakten, lichterfüllten Bildräumen, die aus zarten Farbschleiern gebildet zu sein scheinen. Hellere und dunklere Partien treten miteinander in einen Dialog, Farbschichten überlagern und durchdringen sich wechselseitig, die durchscheinende Keilrahmenkonstruktion der Rückseite bildet eine weitere, stabilisierende Bildebene, die zugleich mit den offenen, freien Farbverläufen kontrastiert.

Sigmar Polke interessiert sich in seinen Schüttbildern für das Prozesshafte und das Unvorhersehbare. Es geht ihm um die Bewegung der Farbe, die er bewusst als Gestaltungsmittel zur Bildfindung einsetzt. Das Ergebnis sind Werke, die im Falle unseres Triptychons an riesige Aquarelle erinnern und einen geheimnisvollen Zauber ausstrahlen.

Jenny Dopita

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