Alex Katz, January Snow, 1993, Museum Frieder Burda, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2016


"Den Wald vor lauter Bäumen..."

Parallel in der Museumsgalerie
06. Februar – 29. Mai 2016

In der Sammlung Frieder Burda befinden sich viele Werke, die als Motiv einen Baum zeigen, oder sich mit dem Thema „Wald“ befassen. Durch die Lage in der Lichtentaler Allee und durch seine ikonische Architektur, die immer auch die umgebende Natur in die Ausstellungen miteinbezieht, ist das Museum Frieder Burda geradezu prädestiniert dafür, Werke zu diesem Thema zu zeigen. Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Künstler an das Motiv herangehen und es in ihrer ganz individuellen Ausdrucksart auf die Leinwand bringen.

Der Baum ist seit jeher ein Motiv von großer Symbolhaftigkeit, das die Menschen fasziniert und alle Künstler -ob nun in Dichtung, Musik oder bildender Kunst- dazu veranlasst, sich mit ihm zu beschäftigen.

In der Bildenden Kunst lässt sich bei Piet Mondrian über die Jahrzehnte seines Schaffens an seiner Beschäftigung mit dem Baum die Entwicklung vom Impressionismus zur Abstraktion ablesen. Die Essenz des Baumes, Vertikalität und horizontale Verästelung führen quasi in logischer Konsequenz zu den berühmten Gitterstrukturen des niederländischen Malers.

Anders Joseph Beuys. Er pflanzte 1982 im Rahmen der documenta 7 im Kasseler Stadtraum 7000 Eichen, um mit dieser künstlerischen und ökologischen Intervention den urbanen Lebensraum nachhaltig zu verändern.

1998 verhüllten Christo und Jeanne-Claude mit ihrer Kunstaktion „Wrapped Trees“ in unmittelbarer Nähe der Fondation Beyeler für wenige Wochen 178 Bäume. Der verhinderte Blick bescherte dem Gehölz mehr Aufmerksamkeit denn je.

Auch die hier zusammengetragenen Baum-Motive aus der Sammlung Frieder Burda lassen ganz unterschiedliche Herangehensweisen und Absichten der Künstler erkennen.

In der 1991 entstandenen Serie von Gerhard Richter ist, ähnlich wie bei Piet Mondrian, der Weg von der gegenständlichen Baumdarstellung zur rein abstrakten Farbskizze nachvollziehbar. Interessanterweise sind, folgt man der Nummerierung im Werkverzeichnis, anders als man annehmen würde die als „Skizze“ titulierten Bilder zeitlich nach dem ersten und einzigen gegenständlichen Bild der Serie „Bühler Höhe“ entstanden.     

 „Tree of Life“ von Sigmar Polke zeigt mit der für den Künstler so typischen Ironie die symbolhafte Verquickung von Mensch und Baum. Der Mensch als Baum. Die Standhaftigkeit, die Verwurzelung. Die Baumkrone ein menschliches (Mond-)Gesicht, der Lebenskreis noch nicht geschlossen: Ein Lebensbaum eben.

Bei Baselitz bekommt der Wald als typisch deutsche Kulisse eine geschichtlich aufgeladene Dimension.  „Der Wald auf dem Kopf“  war 1969 sein erstes Bild in der Motivumkehr und in einer Zeit, in der man sich von der vorhergehenden Generation mit all ihrem politischen Ballast distanzieren wollte, vielleicht bewusst gewählt, war doch der „Deutsche Wald“ Teil der nationalsozialistischen Propaganda. Bei den Baselitz Bildern aus der Sammlung Frieder Burda versperrt „Eschenbusch II“ den Weg und das Dickicht bei „o.T. (Wald)“ ist undurchdringbar. Die Motivumkehrung macht zusätzlich unklar, wohin das Ganze führen soll. Auf diese Weise suchte Baselitz seinen Weg zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.

Die Werke von Sabine Dehnel, Axel Hütte und Susanne Kühn zeigen beispielhaft den Wald aus einer vielleicht typisch deutschen, romantisch verklärten Sicht. Ein ganzer (Märchen-)Wald ruft anders als ein einzelner Stamm im Betrachter umgehend Erinnerungen und Assoziationen hervor. Nicht die symbolhaft aufgeladene Darstellung eines bestimmten Baumes steht hier im Vordergrund, sondern eine besondere Stimmung. Man hört es im Geäst knacken, Moosgeruch liegt in der Luft… aber vielleicht fängt man tatsächlich nur an, „den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen“?

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