Juli / August 2010

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Joan Miró, La caresse d'un oiseau, 1967

Joan MiróJoanMiró
La caresse d'un oiseauLacaressed'unoiseau

Seine Skulpturen sind fröhlich, bunt, aufmüpfig im Detail und verströmen eine positive Energie. Schon früh begann der Maler Joan Miró mit unterschiedlichen Materialien zu experimentieren. In der aktuellen Ausstellung „Miró. Die Farben der Poesie“ präsentiert das Museum Frieder Burda neben den bekannten Gemälden auch einige Skulpturen des berühmten Katalanen. 1942 notiert der damals 49-Jährige Künstler „Es ist die skulpturale Arbeit, in der ich eine wahrlich phantasmagorische Welt erschaffen werde, eine Welt lebendiger Monstren; was ich in der Malerei gemacht habe, ist viel konventioneller.“ Tatsächlich überraschen seine Skulpturen nicht nur durch ihre starken, klaren Farben, sondern vor allem wegen der frechen Kombination unterschiedlicher Fundstücke, die Miró zu fantastischen Skulpturen zusammen fügt. Er gibt den Skulpturen – wie auch seinen Gemälden und Zeichnungen – stets französische Titel.

Auch als Bildhauer kreist er um das Thema »Frau – Vogel – Stern«. Gegenstände des täglichen Lebens, Objets trouvés, kombiniert er zu Skulpturen: „Ich verwende ausschließlich Gegenstände, die ich irgendwo vorfinde und sammle sie in meinem Atelier  Ich stelle diese Objekte auf dem Boden im Kreis auf, wähle aus und kombiniere sie miteinander oder verwende Elemente anderer Skulpturen. Ich arbeite nicht nach Entwürfen, sondern füge die Objekte einfach zusammen,“ erklärte Miró in einem Interview.

1967 entsteht „La caresse d’un oiseau“ (Die Liebkosung eines Vogels) eine drei Meter hohe, längliche Skulptur, welche im Erdgeschoss der großen Sonderausstellung sofort die Blicke auf sich zieht. Wer sie betrachtet, denkt unwillkürlich sie sei aus Holz. Zumal auch die Maserungen der bemalten Einzelstücke daran erinnern. Doch weit gefehlt. Miró verwendet schwere Bronze, ein Material, das die Ewigkeit symbolisiert. Was so grazil wirkt wiegt nicht weniger als 500 kg. „Maler, die Skulpturen schaffen, wollen schnell arbeiten und erfinden eine neue Welt,“ erklärt Jean-Louis Prat, Kurator der Ausstellung und langjähriger Freund von Miró. Wer „Die Liebkosung eines Vogels“ näher betrachtet erkennt die einzelnen Bestandteile: das untere Stück ist ein Bügelbrett, mittig darauf prangt der Panzer einer Schildkröte, auf der Spitze des Brettes plustert sich ein profaner Toilettensitz zum Dreieck auf, darüber thront ein katalanischer Strohhut und gekrönt wird das Ensemble von einem kleinen, kompakten Vogel, der eher einem Stier ähnelt: flügellos, mit Hörnen wie die Halbsichel eines Mondes, und neckisch beherrscht er die Figur.

Inspiriert durch die Skulpturen seines Freundes Calder, begann Miró die Bronze seiner Assemblageskulpturen in lebhaften Farben zu bemalen. Durch die Farbflächen hebt er die verschiedenen Elemente somit klar voneinander ab. Das Bügelbrett strahlt in sattem Grün, der Schildkrötenpanzer und die Klobrille funkeln in kräftigem Rot. Durch die Farbe verlieren die Objekte ihren ursprünglichen Charakter. Der verkehrt herum angebrachte Tierpanzer erinnert an ein weibliches Geschlechtsorgan. Rot, als Farbe der Liebe und Leidenschaft, verstärkt die Emotion. Den Hut hat Miró im Originalton belassen: er prangt in sonnigem goldgelb als Kopf obenauf, zwei schwarze Kreise bilden die Augen, eine rote Nase lugt schelmisch hervor. Den kleinen kompakten Stier-Vogel bemalt Miro mit einem tiefen Blau, der Farbe, die er so sehr liebte.

Ute Bauermeister

 

 

 

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