Ausstellung "Von Mougins nach Baden-Baden. Der späte Picasso" vom 24.09.2005 bis 8.01.2006
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Baden-Baden. Der späte Picasso steht im Mittelpunkt der neuen Ausstellung im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Seine letzten zwölf Jahre verbrachte Picasso im südfranzösischen Mougins. Die Sammlung Frieder Burda umfasst allein acht Werke aus diesem Zeitraum. Die Ausstellung wird ergänzt durch bedeutende Leihgaben aus europäischem Museums- und Privatbesitz. Arbeiten aus dem Zeitraum von 1961 bis 1973 geben einen einzigartigen und mit über 30 Gemälden und sechs Skulpturen weitgefassten Einblick in die letzten Lebensjahre eines der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts.
Die Ausstellung soll die besondere Rolle des Spätwerks Picassos in seiner letzten eindringlichen Phase erneut zur Diskussion stellen. Alle Werke sind in Mougins entstanden, wo der Achtzigjährige 1961 das Landhaus Notre-Dame-de-Vie erwarb. Schon einmal war das Spätwerk Picassos im großen Rahmen während des Sommers 1968 in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden umfassend ausgestellt. Es war die erste museale Präsentation des damals noch äußerst umstrittenen späten Werks des Künstlers in Deutschland.
Der Sammler Frieder Burda, der sich seit vielen Jahren immer wieder in Mougins aufhält, hat sich dort von den späten Bildern Picassos nachhaltig anregen lassen und sie zu einem Schwerpunkt seiner Privatsammlung gemacht.
Picasso: J'aime que ca continue
Jaime que a continue, bemerkte der alte Picasso einmal auf die Frage, ob er lieber eine Sache anfange oder beende. Ich liebe das, was weiterführt Picassos Antwort, in genauer Entsprechung zu seiner Arbeit, mag auch als Motto für die Ausstellung in Baden-Baden gelten. Die Jahre in Mougins waren gekennzeichnet von einer sich bis zur Besessenheit steigernden Arbeitswut. Die Zahl der Gemälde, Zeichnungen und Grafiken übersteigt die der vorausgehenden Jahrzehnte. Ihnen allen ist ein Thema gemeinsam: das der Selbstbefragung. Eine Art von Inquisition des Alters hebt an, die sich ohne jede Peinlichkeit, jedoch schonungslos ins Licht setzt. In der Betrachtung des Greises studiert er seine Grimassen und ihre lächerlichen, verzerrten, auch melancholischen Posen.
Man braucht sehr lange Zeit, um jung zu werden Picasso hatte in seinem Landhaus Notre-Dame-de-Vie in Mougins bis zuletzt für diese Erkenntnis gearbeitet. Die Bilder der Spätzeit tragen ihr Datum auf der Rückseite der Leinwand. Die Arbeitstage sind zum Bestandteil des Werkes geworden. Sorgfältig vermerkte der Maler Tag und Monat auf der Leinwand, so dass viele Bilder rückseitig ganze Kolonnen von Zahlen aufweisen. Diese gewissenhafte Registrierung verrät Picassos bewusstes und gespanntes Verhältnis zum Ablauf der Zeit, die er in noch so produktiven Perioden nicht aus dem Auge verliert. In dieser Übung äußert sich auch die tiefverwurzelte Skepsis gegenüber Dauer und Gültigkeit jeder malerischen und menschlichen Erfahrung.
Klaus Gallwitz, Direktor des Museums Frieder Burda und Kurator der Picassoausstellung: Der späte Picasso erinnerte sich an alles, aber er belebte es immer wieder neu für seinen eigenen Gebrauch. Woran sollte er sich sonst halten? Er verfügte über die Fähigkeit, seine Erfindungen selbst zu zertrümmern, um neue zu erfinden. Allein an seinem unersättlichen Bedürfnis nach Gestaltung hat er sich orientiert und sich dazu unermüdlich und ohne zu zögern jeder Form von Neuem bedient. Auf diesem Weg wurde er ein Überlieferer. Alles musste mitgeteilt werden, weil sich in jeder Äußerung noch eine andere, bisher nicht gesagte Erfahrung zeigte. Immer kürzer nimmt der Maler bei der Arbeit die Distanz, immer näher geht er an die Leinwand heran. Die eigentümliche Theatralik dieses Vorgangs spiegelt sich in allen Facetten, die Picasso mit Ingrimm und Heiterkeit auf der Leinwand vorführt. Am Ende trifft er immer wieder auf sich selbst. Zu den Göttern und Götzen des Spätwerks tritt unverhüllt das Gesicht des Künstlers Ecce Homo.
Amerikanische Malerei im Bilderwechsel III
Parallel zur Ausstellung Von Mougins nach Baden-Baden- Der späte Picasso zeigt das Museum Frieder Burda ab dem 24. September 2005 im Bilderwechsel III amerikanische Malerei aus der Sammlung Frieder Burda: Mark Rothko, Willem de Kooning, Clyfford Still, Jackson Pollock, William Copley und Alex Katz. Der amerikanische abstrakte Expressionismus bildet einen wichtigen Schwerpunkt der Sammlung Frieder Burda. Die Auswahl der Bilder ermöglicht es, die Entwicklung der Künstler von figurativen Kompositionen hin zu großzügig abstrakten Gesten und Farbfeldern nachzuvollziehen.
Nach elf Monaten rund 160.000 Besucher
Rund elf Monate nach der Eröffnung des Museums Frieder Burda haben bereits knapp 160.000 Menschen das Museum besucht. Das Bauwerk in der Lichtentaler Allee in Baden-Baden war nach zweijähriger Bauzeit Ende Oktober 2004 eröffnet worden. Der Neubau mit rund 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche findet auch wegen seiner direkten Anbindung an die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden große Beachtung. Erstmals in Deutschland ergänzen sich staatlicher Kulturauftrag und privates Kulturengagement in dieser einzigartigen Form.
Die Sammlung Frieder Burda umfasst heute über 600 Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier. Schwerpunkte sind die klassische Moderne und die zeitgenössische Kunst. Die Sammlung besitzt mit insgesamt acht Werken einen überzeugenden Werkkomplex des späten Picasso. Der amerikanische abstrakte Expressionismus ist mit Gemälden von Gottlieb, de Kooning, Pollock und Rothko vertreten. Daneben besitzt die Sammlung ein Hauptwerk von Clyfford Still eine Seltenheit in der europäischen Museumslandschaft.
Herausragend dokumentiert die Sammlung eine Auswahl deutscher Kunst der Nachkriegszeit. Georg Baselitz ist mit wichtigen Arbeiten vertreten. Von seinem frühen Weggefährten in Berlin, Eugen Schönebeck, befinden sich zwei bedeutende Werke in der Sammlung. Anselm Kiefer bezieht mit dem fast sechs Meter langen Gemälde Böhmen liegt am Meer Position in der Sammlung. Einen zentralen Teil der Sammlung stellen die Werke von Gerhard Richter, Sigmar Polke und Arnulf Rainer. Arbeiten aus allen Lebensabschnitten vermitteln einen retrospektiven Überblick über die Künstler, die die zeitgenössische Malerei entscheidend geprägt haben. Verstärkt widmet sich Frieder Burda in jüngster Zeit Künstlern der jungen Generation.
Ausblick: Bilderwechsel IV: Deutsche Expressionisten und Neue Malerei
Neue Malerei. Junge Kunst aus der Sammlung Frieder Burda ist in der Zeit vom 17.1.2006 9.7.2006 zu sehen. Seit zehn Jahren widmet sich Frieder Burda verstärkt der Kunst einer jungen Malergeneration. Wohin entwickelt sich die Kunst im 21. Jahrhundert? Die Ausstellung bezieht hierzu Position, ohne den Anspruch einer umfassenden Darstellung zu erheben.
Der Bilderwechsel IV aus der Sammlung Frieder Burda stellt parallel dazu den Deutschen Expressionismus in den Mittelpunkt. Ausgewählte Werke unter anderem von Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Alexej von Jawlensky, August Macke, Gabriele Münter und Max Beckmann spiegeln den malerischen Aufbruch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wider.
Für den Sommer 2006 (8.7.2006-29.10.2006) ist die große Chagall-Ausstellung geplant. Gezeigt werden Gemälde aus russischen und französischen Museen. Baden-Baden ist die einzige Station dieser übergreifenden Werkschau Marc Chagalls in Deutschland. Besonders das selten außerhalb von Russland zu sehende Frühwerk bietet ungeahnte Facetten dieses bedeutenden Malers.
Baden-Baden, 23.September 2005
Katalog
Zur Ausstellung Der späte Picasso erscheint ein Katalog ( 84 Seiten) mit Abbildungen aller ausgestellten Werke sowie Texten von Klaus Gallwitz und Heiner Bastian:Von Mougins nach Baden-Baden. Der späte Picasso
Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2005 ISBN 3-7757-1707-2
Preis an der Museumskasse: 18,- Euro





