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AUSSTELLUNGSKATALOG

 

HERAUSGEBER

Stiftung Frieder Burda und

Stiftung für Kunst und Kultur e.V., Bonn

 

INFORMATIONEN

176 Seiten mit 4 Klapptafeln,

96 farbige Abbildungen

zweisprachig deutsch / französisch

Wienand Verlag, Köln

ISBN 978-3-86832-068-8

 

Im Museum erhältlich für

27,80 €.

Audioführung von Antenna Audio:AudioführungvonAntennaAudio:

 Die Audioführung von Antenna International bespricht die 20 großformatigen Werke der Sammlungen Grothe und Burda, die im Rahmen der Ausstellung „Anselm Kiefer“ im Museum Frieder Burda in Baden-Baden gezeigt werden.

Die öffentliche Präsentation dieser Werkauswahl aus den Privatsammlungen ist eine Rarität. Fast ebenso ungewöhnlich ist die Tatsache, dass die Audioführung sämtliche ausgestellten Werke behandelt. Sie greift dazu auf Ausschnitte eines eigens geführten Interviews mit dem Kurator der Ausstellung, Dr. Walter Smerling, zurück. Um die Reflexionsebenen im Werk Anselm Kiefers zu verdeutlichen und zu kontextualisieren, kommen in großer Anzahl Literaturzitate zum Einsatz: Gedichte von Paul Celan und Ingeborg Bachmann, Textpassagen des niederländischen Autors Mutatuli oder Schriften von Louis Ferdinand Céline, auf die Kiefer selbst in seinen Arbeiten anspielt. Letztlich betten atmosphärische Beschreibungen Christoph Ransmayrs die Werke Kiefers in eben die Stimmung ein, aus der heraus sie entstanden sind. Religionsphilosophische und historische Erläuterungen ermöglichen dem Betrachter einen verständlichen Zugang zu dem hochkomplexen Werk eines der größten lebenden Künstler.

 

Die circa 60-minütige Führung liegt auf Deutsch und Französisch vor und bietet die Möglichkeit, die Einzelkommentare in beliebiger Reihenfolge abzurufen.

 

Um ein Beispiel zu hören, klicken Sie bitte auf eines der folgenden Bilder:

Anselm Kiefer, Lilith, 1987-90

Anselm Kiefer, Schlacht über England, 1994

Anselm Kiefer, Essence, 2011

Anselm KieferAnselmKiefer

7. Oktober 2011 - verlängert bis 5. Februar 2012!  

 

Mit der Ausstellung im Museum Frieder Burda stellt Anselm Kiefer zum ersten Mal seit seiner Übersiedlung nach Frankreich in seinem ehemaligen Heimatland Baden-Württemberg aus. Anselm Kiefer gilt als einer der national wie international wichtigsten Künstler unserer Zeit. 1945 in Donaueschingen/Baden-Württemberg geboren, verbrachte er seine Schulzeit in Rastatt, wo heute in der städtischen Galerie Fruchthalle eine monumentale Holzschnittinstallation von ihm zu sehen ist. Er studierte Bildende Kunst an den Akademien in Freiburg, Karlsruhe und Düsseldorf. Von 1993 bis 2006 lebte und arbeitete er in Barjac im südfranzösischen Département Gard. Seit 2007 ist Anselm Kiefer in Paris ansässig, wo er 2010 als Professor an das Collège de France berufen wurde. 1999 wurde ihm in Tokyo der renommierte Praemium Imperiale verliehen. 2008 erhielt er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

 

Gezeigt werden ausgewählte Arbeiten aus der Sammlung Hans Grothe: 33 großformatige Bilder aus 30 Jahren, mit Schwerpunkt auf dem letzten Jahrzehnt. Erstmals öffentlich gezeigt wird die Arbeit „Essence“ aus der aktuellen Serie der Alpenlandschaften. Die Verbindung zum Museum Frieder Burda stellt das Werk „Böhmen liegt am Meer“ (1995) her, das sich schon seit vielen Jahren in der Sammlung Frieder Burda befindet.

 

Im Fokus der Ausstellung steht das monumentale Bild „Der fruchtbare Halbmond“ (460 x 760 cm), eine Arbeit aus dem Jahr 2010, die auf die Zusammenführung von Abendland und Morgenland verweist und zum ersten Mal in Deutschland gezeigt wird. Kiefer thematisiert hier den Turmbau zu Babel und die Wiege unserer Kultur im fruchtbaren Zweistromland. Der Turmbau entzweite die Religionen und Sprachen, aber Kiefer glaubt an das ursprünglich Einigende: Die Grundmauern sind nicht mehr nur zerstört, sie sind auch im Aufbau begriffen. Die einstigen Kräfte des fruchtbaren Landes können belebt werden, der Zusammenhalt der unterschiedlichen Kulturen ist möglich.

 

Bei den Werken, die für die Ausstellung ausgewählt wurden, steht nicht die sonst oft als charakteristisch dargestellte Aufarbeitung deutscher Vergangenheit im Mittelpunkt, Hierzu erläutert der Kurator Walter Smerling, dass es „vielmehr die christlich-jüdischen, die mythologischen Themen sind, die dominieren. Auch das oftmals beschriebene Pathos in Kiefers Werken erscheint eigentümlich gebrochen, zurückgenommen und neutralisiert. Die Sammlung beeindruckt, ohne zu überwältigen, und lädt ein zur analytischen Reflexion.“ Von Anfang an bewegt sich Kiefers malerisches Werk zwischen Abstraktion und Figuration. Symbolträchtige Verbindungen entstehen aus Blei, Beton, getrockneten Pflanzen, Glas, Stacheldraht und anderen heterogenen Materialien. Durch zahlreiche pastose, farbig zurückhaltende Schichten erhält die Bildoberfläche eine reliefartige Struktur und führt damit zu einer fast skulpturalen Plastizität der Bilder.

 

Von den Werken Anselm Kiefers hat sich Hans Grothe auch nach dem Verkauf seiner umfangreichen Kunstsammlung nicht getrennt. Seine ersten Kiefer-Bilder erwarb er aus reiner Faszination und emotionaler Berührung; denn inhaltlich-rational haben sie sich ihm zunächst nur schwer erschlossen. Die Sammlung enthält Werke aus drei Jahrzehnten, die unverwandt durch ihre einzigartige Materialität, ihre stringente Aussagedichte und ihre auratische Intensität faszinieren, die sich insbesondere in der Gegenüberstellung der Arbeiten vermittelt.

 

Die Ausstellung entstand in enger Kooperation zwischen dem Museum Frieder Burda und der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn.

Blick in die AusstellungBlickindieAusstellung


Fotos: Volker Naumann