Aus der Sammlung Frieder Burda. Arnulf Rainer - Bibelübermalungen 









4. August - 28. Oktober 2001
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| Arnulf Rainer Bibelübermalungen Aus der Sammlung Frieder Burda |
LENBACHHAUS, MÜNCHEN
Mit dieser Ausstellung wird der Öffentlichkeit zum ersten Mal der zwischen 1995 und 1998 entstandene Zyklus der Bibelübermalungen vorgestellt. Die Initiative für dieses Projekt ging von dem Augsburger Pattloch-Verlag aus, der Arnulf Rainer beauftragte, für eine aufwendige Sonderedititon der Bibel die Illustrationen zu schaffen.
| Rainer war somit konfrontiert mit der sensiblen und gleichzeitig sehr ergiebigen Thematik des christlichen Glaubens und mußte sich intensiv mit den Wurzeln unserer abendländischen Kultur auseinanderzusetzen. Dementsprechend zeitaufwendig gestaltete sich der Entstehungsprozeß der Übermalungen, der sich freilich als sehr produktiv erwies. 400 Übermalungen entwickelte Rainer während des Zeitraums von drei Jahren. 160 Arbeiten wählte der Verlag schließlich für seine Bibelausgabe aus. 1999 erwarb Frieder Burda dieses Konvolut.
Bei der Wahl seiner Vorlagen konnte Rainer aus dem überreichen Fundus der Kunstgeschichte schöpfen, dominierte die religiöse Ikonographie doch lange Zeit das Kunstschaffen mit einer Ausschließlichkeit , die keinen Raum ließ für säkulare Phantasien. So erscheint Rainers Wahl der Vorlagen wie ein Querschnitt durch die Jahrhunderte. Es finden sich Illustrationen aus alten Handschriften, aufwendig gestalteten Bibeln des Mittelalters und der Neuzeit, wie zum Beispiel der Bibel für den Markgrafen von Ferrara, Niccolò d'Este, oder der ersten deutschen Bibel aus dem 16. Jahrhundert. Ausschnitte aus Giottos Fresken oder Mantegnas Heiligenbildern zog Rainer ebenso heran, wie die Darstellungen auf mittelalterlichen Glasfenstern oder den Kupferstichen von William Blake aus dem 19. Jahrhundert. Vor allem aber die Bibelillustrationen des Gustave Doré wertete Rainer für seine Zwecke aus.
Fotokopien der Reproduktionen obiger Werke verwandte der Künstler als Ausgangspunkt für seine Arbeiten. So entstand ein breites Spektrum an Übermalungen, das alle Facetten der bewährten Rainerschen Technik widerspiegelt. Von breitflächigen Überdeckungen, die das darunterliegende Blatt nur noch erahnen lassen, bis zu zarten Stricheleien, die mit der Vorlage nicht wirklich in Verbindung zu treten scheinen. Weiteres wichtiges Ausdrucksmittel ist der bewußte Einsatz von Farben.
Der Farbauftrag des Verkündigungsengels läßt die graue Papierfläche leuchten. Die Vorlage zeigt einen Ausschnitt aus Botticellis Verkündigung, einem Meisterwerk der italienischen Renaissance. Ein Engel von würdevoller Erscheinung kniet vor Maria nieder, um ihr die Botschaft zu verkündigen. Als Zeichen ihrer Unschuld hält er eine Lilie elegant an seine Schulter gelehnt. Rainer übermalt genau den Bereich des Blattes, der sich überdecken läßt, ohne daß Botticellis wunderbare Ästhetik Schaden leidet. |
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Horst Koppelstätter
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